Foto: Caren Pauli

Studie

Muss es Hightech sein?

Druckgeschwüre sind ein häufiges Problem in Seniorenheimen. Deshalb werden in Heimen Hilfsmittel wie Anti-Dekubitus-Matten eingesetzt. Eine belgische Studie hat zwei verschiedene Matte-Typen untersucht. Sie verglich eine statische Luftmatte mit einer Matte mit Wechseldrucksystem.

Die Idee klingt erstmal plausibel: Eine Anti-Dekubitus-Matte, die abwechselnd verschiedene Zonen aufbläst, verringert den Druck besser als eine statische Luftmatte, die die ganze Zeit voll aufgeblasen ist. Aber stimmt das auch? Dieser Frage ist eine belgische Studie nachgegangen. Es zeigte sich: Die statische Matte ist effektiver, um einen Dekubitus zu verhindern – und billiger ist sie auch. Man muss allerdings dazu sagen: Die Studie wurde mitfinanziert von dem Hersteller der Matte.

Wechseldrucksysteme sind beliebt

Druckgeschwüre sind ein häufiges Problem in Seniorenheimen. Studien berichten, dass in manchen Heimen bis zu 32 Prozent der Bewohner einen Dekubitus haben – in anderen Heimen aber nur 4 Prozent. Prävention durch Pflege ist also entscheidend. Hilfsmittel wie Anti-Dekubitus- Matten spielen dabei eine wichtige ergänzende Rolle. Häufig werden auch Matten mit Wechseldrucksystem eingesetzt. Doch bisher hat es wenige Studien gegeben, die untersuchten, ob Patienten damit wirklich weniger Druckgeschwüre entwickeln als mit statischen Matten. Diese Lücke will die aktuelle Studie schließen. Beteiligt waren sechs Universitäten unter anderem in Belgien, Irland und Australien.

Studie mit 26 belgischen Pflegeheimen

Untersucht wurden 308 Bewohner in 26 belgischen Pflegeheimen. Alle waren über 65 Jahre alt und bettlägerig oder saßen im Rollstuhl. Alle hatten ein hohes Risiko für Dekubitus oder wiesen bereits einen Dekubitus der Kategorie 1 auf. Per Zufall wurde jeweils die Hälfte der Probanden in die Gruppe mit Wechseldruck-Matte (Kontrollgruppe) eingeteilt und die Hälfte in die Gruppe mit einer statischen Luftmatte der Marke „Repose“ (Interventionsgruppe). Als Ergebnis wurde gemessen, ob sich ein Dekubitus der Kategorie 2 bis 4 entwickelt, wie stark er ausgeprägt ist und wann er auftritt.

Mit statischer Matte halb so viele Druckgeschwüre

Ergebnis: In der Interventionsgruppe entwickelten 5,2 Prozent der Bewohner einen Dekubitus der Kategorie 2 bis 4, in der Kontrollgruppe hingegen 11,7 Prozent – mehr als doppelt so viele. Die statische Matte konnte also Druckgeschwüre signifikant besser verhindern als die Wechseldruckmatte. Zudem dauerte es mit statischer Matte länger, bis sich ein Geschwür entwickelte – nämlich im Median 10,5 Tage anstatt 5,4 Tage mit Wechseldruck-Matte.

Weitere Erkenntnisse aus der Studie lesen Sie in der digitalen Ausgabe des Kammermagazins.

Das könnte Sie auch interessieren...

Patientensterblichkeit

Höhere Fachkraftquote, weniger Todesfälle

Studie bestätigt Zusammenhang zwischen Qualifikation und Zusammensetzung des Stationsteams und der Zahl der Todesfälle.

Langzeitpflege

Wie sinnvoll ist der Besucherstopp in Pflegeheimen?

Das Infektionsgeschehen in der Langzeitpflege muss unbedingt unter die Lupe genommen werden, fordert Pflegewissenschaftlerin Gabriele Meyer vom Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM) im Interview

Schuldgefühle vermeiden

„Sich die Trauer zu gestatten, mindert das Problem“

In Altenpflegeeinrichtungen kommt es jetzt immer häufiger zu Corona-Infektionen - und auch zu Todesfällen. Ein Psychiater erklärt, wie Pflegefachpersonen ihre Widerstandkräfte stabilisieren können.

Corona

Corona-Screening in der Langzeitpflege? Ja, das gibt es ...

... in den beiden städtischen Pflegeheimen in Ludwigshafen. Dort werden wöchentlich alle Mitarbeiter getestet.